Werke -

The Happy Frog

Die glücklichen Frösche

Allen Unkenrufen zum Trotz, die amphibischen Tierarten in der Wahrnehmung vieler Menschen so oft anzuhaften pflegen, hat Eva Bur am Orde ihre beiden Frosch-Serien - die Happy Frogs und die Hot Frogs - als variantenreichen Ausdruck von Lust und Lebensfreude formuliert. Je vier quadratische Leinwände spielen die glubschäugigen feuchten Tiere in allerlei Farben durch, wobei das glückliche Fröschlein viermal exakt dieselbe Position gefunden hat, von der aus offensichtlich sehr befriedigt es den Betrachter anblickt. Allein die labialen Faltungen, die es mit seinen fingerfertigen Schwimmhäutchen auseinandergespreizt hat, weichen in ihrer grafischen Ausprägung nur leicht voneinander ab; Bestätigung für sein bewährt beschwingtes Tun unterhalb von bunten Farbenkleidern. In Rot, Gold, Pink und Blau ist es voll auf seine Kosten gekommen, um den Voyeur da draußen vor dem Bild dennoch im Unklaren zu lassen, ob er - so ganz und gar erschöpftes Tier, das er ist - im Zentrum einer bloß nymphatischen Seerose sitzt oder vielleicht doch einen kopfüber gestülpten Theatervorhang den nötig schlüpfrigen Spalt lüpft, um gänzlich unerhörte Einblicke in ihr Innerstes zu gewähren.

Aufgrund der so weit vom Leib ragenden äußeren Extremitäten, die die eigentliche Körpermitte ungeschützt freigeben, wurden Froschwesen - allen voran natürlich die Kröte - in unterschiedlichen Kulturen stets auch als Sinnbild zügelloser Wollust und der Fruchtbarkeit interpretiert. Neben diversen sexuellen Konnotationen kamen im Mittelalter aber auch stilisierte Darstellungen derselben zu Ehren, als sie nämlich das symmetrisch ausgebildete Organ der Gebärmutter widerspiegelten und - in Kirchen gar als Votivgabe geopfert - Frauenleiden und ungewollte Kinderlosigkeit beseitigen sollten. So schmusten denn auch nicht nur fromme Märchenmädchen furchtsam und erwartungsvoll mit so manchem Frosch herum, sondern auch Hexen und anderen Zauberern wurde dieses teuflisch vergnügte Treiben gemeinhin nachgesagt.
Text: Clemens Ottnad

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